Werden iPhones, Benzin und Whiskey teurer?

Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins leicht angehoben. Ein kleiner Schritt für die Zentralbanker mit großer Wirkung weltweit. Auch für Wirtschaft und Konsumenten in Deutschland.

Wer Donald Trump (70) im Wahlkampf zuhörte, mag den Eindruck bekommen haben, der wirtschaftliche Zustand der USA sei desaströs. Das Gegenteil ist der Fall. Die größte Volkswirtschaft der Welt läuft weitgehend rund, die Arbeitslosigkeit ist mit einer Quote von 4,6 Prozent im Griff, die Inflation zieht wieder an.

 Die Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch wie von vielen Volkswirten erwartetet Konsequenzen gezogen. Der Leitzins geht leicht nach oben.

Welche Auswirkungen sind konkret zu erwarten?

Der ohnehin schon starke Dollar könnte noch stärker werden – etwa im Vergleich zum Euro oder zum japanischen Yen. Am Donnerstagmorgen gab es für einen Euro nur noch knapp 1,05 US-Dollar.

Das verteuert das Einkaufen in den USA. Das gilt sowohl für private Weihnachtstouristen in New York oder Urlauber in Florida als auch für europäische Firmen, die Produkte amerikanischer Firmen ordern – von den Flugzeugen des Herstellers Boeing bis zum Whiskey aus Kentucky.

Heißt im Klartext: Waren made in USA, wie beispielsweise auch die iPhones von Apple, werden hierzulande voraussichtlich teurer. UND: Waren wie Rohöl, die in US-Dollar gehandelt werden, steigen ebenfalls im Preis. Nicht ausgeschlossen also, dass auch Benzin und Heizöl im Preis kurzfristig wieder anziehen.

Andererseits können Firmen in den USA nun billiger im Ausland einkaufen, sofern die Geschäfte nicht in Dollar abgewickelt werden. Das gilt auch für Einkäufe bei deutschen Zulieferern. Demzufolge könnte der Export wieder anziehen.

Wird Europa nachziehen?

Europa und die Europäische Zentralbank sind noch nicht so weit. Anders als in den USA sind die Voraussetzungen – nämlich ein stabiler Arbeitsmarkt und eine anziehende Inflation – noch nicht überall in der Eurozone gegeben.

Die EZB hat erst vorige Woche den Geldhahn noch einmal kräftig aufgedreht und weitere milliardenschwere Anleihekäufe angekündigt. Das bedeutet, dass die ultraniedrigen Zinsen in der Eurozone noch eine Weile anhalten werden.

Allerdings gab es auch aus Frankfurt schon Signale, dass ein Richtungswechsel irgendwann fällig sein wird. Klafft eine zu große Zinslücke zwischen Euro-Zone und Dollar-Raum, kann das den Euro enorm unter Druck bringen.

Wird die US-Notenbank die Zinsen bald noch weiter erhöhen?

Das steht in den Sternen. Und es ist auch ein Politikum. Donald Trump hat in die neue US-Regierung eine Reihe von Großinvestoren und Investmentbankern berufen – die dürften eine starke Stimme für weitere Zinserhöhungen erheben und ihre Politik entsprechend ausrichten.

Experten erwarten eine expansive Fiskalpolitik, also eine von politischen Fesseln befreite US-Wirtschaft. Aus der Notenbank selbst kamen am Mittwoch Signale, dass es 2017 drei weitere Zinserhöhungen geben könnte, bisher hatten Experten eher zwei Schritte im Visier.

Kann Trump direkt in die Notenbankpolitik eingreifen?

Formell ist die Federal Reserve vom Weißen Haus unabhängig und in keiner Weise weisungsgebunden. Allerdings kann Trump mit Hilfe der Republikaner-Mehrheit in beiden Parlamentskammern personell steuern.

Die Amtszeit der Demokratin Janet Yellen an der Spitze der Notenbank läuft in gut einem Jahr aus. Zwei weitere Posten im entscheidenden Offenmarkt-Ausschuss sind vakant – es wird allgemein erwartet, dass Trump sie mit „Falken“ besetzt, also mit Leuten, die die Geldschleusen möglichst dicht halten wollen.

Warum ist eine Zinserhöhung überhaupt notwendig oder sinnvoll?

Wenn die Finanzmärkte mit billigem Geld überschwemmt werden, kann es zur Bildung gefährlicher Blasen kommen – etwa auf dem Immobilienmarkt. Platzen diesen Blasen, hat das zumeist katastrophale Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft.

Zuletzt geschah dies 2008, als nach einer Immobilienkrise das Bankhaus Lehman Brothers in die Pleite rutschte und die Welt in ein wirtschaftliches Fiasko stürzte. Das will die Notenbank verhindern.

Sie muss aber auch versuchen, den richtigen Moment zu erwischen. Zieht die Inflation zu stark an, bevor die Zinsschraube weiter festgedreht wird, kann es zu spät sein. Ein zu frühes Eingreifen kann aber auch die sich erholende Wirtschaft abwürgen.

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